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  Sitten und Bräuche

Einstige Jägerausbildung

Ein Lehrling, der die Jägerei erlernen wollte, musste drei "Behänge" oder Lehrjahre aushalten, bevor er wehrhaft gemacht wurde, d.h. den Hirschfänger und den Lehrabschied erhielt.

Im ersten "Behang" wurde der Jägerjunge auch Hundejunge genannt, seine Tätigkeit bestand in erster Linie in der Pflege und Fütterung der Hunde, insbesondere der Leithunde.

Im zweiten Jahr hieß er Lehrbursche und durfte bereits das Jagdhorn an der Hornfessel tragen, was ihm im ersten Jahr nicht erlaubt war. Er wurde nun von seinem Lehrherrn, dem sog. Lehrprinz, in allen waidmännischen Gebräuchen und in allen Zweigen der Jagd ausgebildet, dadurch wurde er hirschgerecht. Aber auch in forstlichen Fragen sollte er sich belernen, um so holzgerecht zu werden. Durch die Abführung des Leithundes und das Dressieren der Jagdhunde wurde er hundgerecht. Auch das Schießen musste fleißig geübt werden, damit er schießgerecht wurde. Aber das es auf das Schießen nicht allein ankam, wurde auch schon damals betont: "Denn wenn einer noch so gut schießen kann, versteht aber sonst nicht viel, so heißt er zwar Schütze, aber noch kein Jäger."

Im dritten Jahr seiner Ausbildung wurde der Lehrling Jägerbursche genannt, und nach Beendigung der drei Behänge wurde er feierlich wehrhaft gemacht. Der Lehrprinz lud zu dieser Zeremonie seine Nachbarn und Freunde ein. Mit einer feierlichen Ansprache des Lehrprinzen an den Jägerburschen, der zur linken Hand seines Lehrherrn, mit Hornfessel und Hirschfängergurt angetan, stand, begann der Akt. Dann nahm der Lehrprinz mit der linken Hand den vor ihm liegenden Hirschfänger und hielt ihn vor sich, mit der rechten Hand gab er dem Jägerburschen eine Ohrfeige und sprach dabei: "Dies leidest du jetzt von mir, und hinfort nicht mehr, weder von mir noch von einem andern!" Alsdann wurde der Hirschfänger feierlich überreicht "nicht zu dem Ende, das du es zu unnützen Händeln und Ungelegenheiten, sondern wozu es eigentlich gemacht, was vernünftig, redlich und rühmlich ist, nämlich zur Ehre der löblichen edlen Jägerei, seines künftigen Herrn, zur Beschützung seines und deines ehrlichen Namens, Leib und Lebens, am meisten aber auf Jagden führest und gebrauchest!"

Alsdann wurde dem Jägerburschen der Lehrabschied überreicht oder auch nur gezeigt und am nächsten Morgen zugestellt; dieser Brauch ist wohl so zu erklären, das man befürchtete, der neu gebackene hirsch- und holzgerechte Jäger könnte bei dem nun folgenden Examenstrunk seinen Lehrabschied, der für ihn ein wichtiges Dokument war, einbüßen. Der Jägerbursche steckte alsdann den Hirschfänger zu sich, bedankte sich in wohlgesetzter Rede, und die Anwesenden stießen in ihre Hifthörner, wünschten ihm Waidmannsheil und erkannten ihn als Kameraden an.

 

Trinksitten
 
Zahlreiche Trinksitten der Jäger haben sich bis heute erhalten. Der von der Jagd heimkehrende Jäger hatte nicht nur Hunger, wie uns in der Bibel von Esau berichtet wird, sondern vor allem großen Durst. So war es bei vielen Gelegenheiten üblich, daß die gesamte Jägerei aus einem großen Humpen trank, der reihum ging. Bei der Wehrhaftmachung des hirsch- und holzgerechten Jägers wurde ihm der Willkommenstrunk geboten. Nach größeren Jagden gab es festliche Schmäuse, bei denen nicht wenig getrunken wurde. Flemming erzählt uns, daß die Jagdburschen bei solchem Mahle den Willkommenstrunk dem Oberjägermeister brachten, der ihn dann dem Jagdherrn feierlich kredenzte. Sobald der Jagdherr trank, wurde von der ganzen Jägerei auf den Flügel- und Hifthörnern geblasen und dazu ein "Weydgeschrey" gemacht. Weiter heißt es bei Flemming: "bey solcher angestellter Herrschaftlicher Lust wird es niemahlen sonderlich wegen Bier und Wein so genau genommen, welches der Herrschaft zu hohen Ehren gereichet, und kann ein Jeder bey solcher Lust ein klein Räuschgen trinken." Daß die damaligen Sitten auch sonst nicht ganz milde waren, erfahren wir aus der Bemerkung: "Findet sich auch etwan unter den Zuschauern (nämlich des Jagdfestes) ungefähr ein schönes Kleppel- oder Grasse-Mädchen, da siehets umb die Jungfernschaft gefährlich aus und kan so genau nicht hergeben...".


Jägerrecht
 
Ein uralter Brauch war das Jägerrecht. Man entschied das Große und das Kleine Jägerrecht. Die Jäger erhielten ursprünglich ihren Lohn in Naturalien. Diese bestanden in erster Linie in Teilen des erlegten Wildes. In den einzelnen Gegenden wurde das Jägerrecht verschieden gehandhabt. Im allgemeinen gehörten zum Großen Jägerrecht das Haupt, der Hals mit dem Vorschlag bis zur dritten Rippe, die Haut, das Geräusch, also Lunge, Herz, Leber, Nieren, der Mehr- oder Lungenbraten und das Feist. Vielfach wurde das Große Jägerrecht auf die Jägerei aufgeteilt, so daß die leitenden Jäger bis herauf zum Oberjägermeister einen bestimmten Anteil am Jägerrecht erhielten. Außer diesem Jägerrecht erhielten die Jäger je nach den Umständen und Verhältnissen pro Jahr mehrere Stücke Wild als Deputat. So bekamen in Tirol die Hilfsjäger jährlich zwei Gamsböcke, die sogenannten "Hosengams", weil sich aus der Decke die kurzledernen Hosen machen ließen. Auch Fallwild und vor allem gerissenes Wild stand den Jägern zu.

Höfisches Brauchtum
 
Die Bräuche, die sich bei den Prunkjagden des 18. Jahrhunderts herausbildeten, waren mehr ein höfisches Zeremoniell als eigentliches jagdliches Brauchtum . Die höfischen Jagdfeste, bei denen Hunderte von Menschen und Pferden mitwirkten, bei denen ein unerhörter Aufwand von Kostümen aller Art, bei denen Mummenschanz und allerhand Allotria getrieben wurden, waren keine Jagden mehr, sondern Ausfluß eines barocken Feudalismus, der mit der Französischen Revolution sein Ende fand.


 

 
Jägerhöfe
 
Besondere Pflege erfuhr das jadgliche Brauchtum an den Jägerhöfen. Schon frühzeitig stellte es sich als zweckmäßig heraus, die Jäger, die Hunde, die Falken, das Jagdzeug, die Netze und alles, was zur damaligen Jagd gehörte, in besonderen Gebäuden und Gehöften unterzubringen, um alles beieinander zu haben. Der Jägerhof unterstand einem Oberjägermeister oder Pürschemeister. Das Zusammenleben der Jäger im Jägerhof förderte naturgemäß ihr Standesbewußtsein, und die "Grüne Gilde" pflegte gemeinsam Jagdsitten und Bräuche.
 


Allgemeines
 
Die Jagd oder das Waidwerk ist edel und galt als adelig oder hohes Vergnügen. Der Jäger oder Waidmann zieht zur Jagd aus oder geht zur Jagd. Er führt als Gewehr Büchse, Flinte, Drilling, Doppelbüchse usw., sein Gewehr hat Brand, wenn es eine gut tötende Wirkung hat. Als blanke Waffen führt er die Saufeder, das Waidblatt, den Hirschfänger, das Waidmesser, den Nicker oder Knicker. Mit dem Waidmesser schärft er auf oder ab und nickt ein Stück Rehwild ab. Mit den übrigen blanken Waffen fängt er ab, entweder hinter dem Blatt oder auch bei Kahlwild mit dem Kälberfang auf dem Stich. Mit dem Waidblatt wird auch das Schloß aufgeschlagen. Das Absägen des Geweihes, Gehörns pp. wird Abschlagen genannt. Man erlegt ein Stück Wild, bringt es zur Strecke, streckt es gerecht oder legt Strecke, bricht es auf, zerwirkt es.
 
Der Gruß des Jägers ist Waidmannsheil, der Gegengruß lautet ebenfalls Waidmannsheil! Will der Jäger sich bedanken, z.B. für die Überreichung eines Schützenbruches oder für den Wunsch "Waidmannsheil" nach Erlegung eines Stückes Wild o.ä., so sagt er Waidmannsdank! Um jemanden zu ehren, wird ein Horrido ausgebracht, auf welches die Anwesenden dreimal mit joho antworten.

 
Jagdhunde
 
Der Jäger führt seinen Hund am Riemen, der an der Halsung befestigt ist. Er hängt mit dem Schweißhund auf der Fährte des zur Hohen Jagd zählenden Wildes am Riemen nach. Der Gebrauchshund sucht Niederwild frei verloren. Die Fährte kann warm oder kalt sein. Der Jagdhund bringt das Huhn, den Hasen, Fuchs usw. Der Hund steht im ersten, zweiten Feld, der Schweißhund hat ein, zwei, drei usw. Behänge hinter sich. Der Hund ist fährtensicher, spursicher, auch fährtenrein, er gibt Laut oder Hals, hat einen lockeren Hals, er kann Totverbeller oder Totverweiser sein. Ein vielseitiger Jagdhund muß ein guter Verlorenbringer sein, auch soll er gut vorstehen und hasenrein sein und Hühnern nicht nachprellen. Krankes Schalenwild stellt der Hund, gibt Standlaut.
 
Der Hund wird geführt bzw. abgeführt, er wird an- oder abgehalst, zur Hetze wird er angeschnallt, er fällt eine Spur oder Fährte an, er nimmt sie auf und arbeitet sie. Verliert er die Fährte, so hat er sich verschossen.


 
Jägerlatein
 
Vor längerer Zeit war einmal in der Tagespresse ein Aufruf erschienen mit dem Inhalt, die Jäger sollten nunmehr aufhören zu lügen, das Jägerlatein sei eines Jägers unwürdig. Der größte Aufschneider aller Zeiten, Münchhausen, der uns seine köstlichen Lügengeschichten geschenkt hat, über die Generationen von Menschen gelacht haben, hätte sich im Grabe herumgedreht, wenn er diesen Erguß gelesen hätte. Der köstliche Humor, der aus tausend unglaublichen Jagdgeschichten klingt, der Schalk, der durch die Erzählungen fabelhafter Jagdabenteuer lacht, der Witz, der darin liegt, einem in der Jagd Unerfahrenen hanebüchene Geschichten aufzubinden - ist nicht unehrenhaft, sondern "wo, daß sich die Balken biegen, der Oberförster herzhaft lügt", dort sind echte Waidmänner zusammen. Die Seebären spinnen ihr Garn, die Jäger erzählen Jägerlatein, d.h., sie geben lügenhafte, abenteuerliche Jagdgeschichten zum Besten, die jedoch glaubwürdig dargestellt sein müssen.
Schon die Assyrer erzählten Geschichten, deren Wahrheit zweifelhaft ist. Nach Röhrig wollen die Assyrer den Löwen dadurch überwältigt haben, daß sie ihm ein aufrecht gehaltenes Stück Holz in den Rachen stießen und ihm dann mit der in der anderen Hand geschwungenen Keule den Schädel einschlugen! Das klingt beinahe so, als wenn heute ein Jäger erzählt, er sei in den Karpaten von einem starken Bären auf seinem Hochsitz belagert worden, ein Gewehr habe er nicht bei sich gehabt, da sei ihm eingefallen, daß er einen Band moderner Gedichte in der Tasche trug, er habe dem Bären diese Gedichte laut vorgelesen, worauf derselbe vor Entsetzen aus der Haut gefahren sei - und so wurde der Erzähler auf wunderbare Weise gerettet!

 
Jägerlied
 

Schönsten Ausdruck findet die Freude und die Begeisterung des Jägers an Wald und Wild, an Hunde-Laut und Hörner-Schall, am edlen Waidwerk in der jagdlichen Dichtung und im Jägerlied. Das Jägerlied ist auch Volkslied.
Wir haben einen Schatz alter Jägerlieder, die so voll feiner Natur- und Wildbeobachtungen sind, die den Reiz der Jagd in so schöner poetischer Form ausdrücken, daß es ein Jammer ist, wenn die meisten Jäger diese schönen Lieder kaum noch auswendig kennen.
Ein Muster des Volksliedes nennt schon Herder das alte Jägerlied:
"Es blies ein Jäger wohl in sein Horn.
Und alles, was er jaget, das war verlor'n!"
Eine Pflegestätte des Jägerliedes waren und sind noch heute die studentischen Verbindungen an den forstlichen Lehrstätten.